Medienberichte über den Andes-Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius (Mai 2026) betreffen einen südamerikanischen Erreger mit anderem Übertragungsweg. Für Deutschland und Mitteleuropa bleiben vor allem Puumala und Dobrava-Belgrad relevant — über Nagetierausscheidungen, nicht von Mensch zu Mensch.
Hantaviren sind RNA Viren der Familie Hantaviridae (vormals Bunyaviridae). Sie werden in Mitteleuropa nahezu ausschliesslich durch aerosolisierte Ausscheidungen von Wildnagern übertragen, am häufigsten durch die Rötelmaus (Myodes glareolus), Hauptwirt des in Deutschland dominierenden Puumala Virus.
Welche Hantaviren kommen in Deutschland vor?
- Puumala (PUUV): dominierender Erreger, vor allem Süddeutschland und Buchenmischwald-Mittelgebirge. Verursacht das mildere westeuropäische HFRS, die Nephropathia epidemica.
- Dobrava-Belgrad (DOBV): seltener, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Verläuft oft schwerer.
- Tula (TULV): in Feldmäusen verbreitet, klinisch nur selten relevant.
Wer ist besonders gefährdet?
Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Erhöhtes Risiko besteht für Personen mit hoher Naturexposition wie Forstarbeiter, Land- und Tierwirte, Jäger, Bauarbeiter sowie Soldatinnen und Soldaten, aber auch im Privaten: Garten- und Kellerarbeit, Camping, Mountainbiking und das Reinigen von Holzschuppen oder Scheunen in Endemiegebieten.
Welche Symptome treten auf?
Nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Wochen beginnt die Erkrankung typisch grippeähnlich: hohes Fieber, Schüttelfrost, ausgeprägte Rücken und Bauchschmerzen, Übelkeit. Charakteristisch sind Sehstörungen („Myopisierung", Lichtempfindlichkeit) und eine im Verlauf akute Nierenfunktionsstörung mit Oligurie, später Polyurie. Schwere Verläufe können dialysepflichtig werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus Klinik plus Expositionsanamnese. Bestätigt wird sie serologisch über den Nachweis spezifischer IgM und IgG Antikörper, also genau, was dieser Schnelltest am Point of Care leistet. Eine RT-PCR ist in den ersten Krankheitstagen sinnvoll, danach überwiegt die Antikörper Diagnostik.
Therapie und Prävention
Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung ist symptomatisch und unterstützend (Flüssigkeitsbilanzierung, Dialyse bei Bedarf). Da es keinen zugelassenen Impfstoff in Europa gibt, ist die Vermeidung von Exposition zentral: Schutzmasken bei Aufräumarbeiten in Scheunen und Kellern, feuchtes statt trockenes Reinigen, Handschuhe sowie Nagetierabwehr im Wohnumfeld.
Meldepflicht
Hantavirus Infektionen sind nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig. Ein positives serologisches Ergebnis muss vom diagnostizierenden Labor oder Arzt dem zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden.


